Forschung
Ist der Kreis 5 in Zürich ein Ghetto? Werden alle Mädchen aus Sri Lanka zwangsverheiratet? Erhalten Asylbewerber eine Luxuskrankenversicherung?
Solche und ähnliche Äusserungen zeigen wie hoch emotional das Thema Migration und Zuwanderung ist.
Daher ist es wichtig, dass das Bundesamt für Migration sich zur Erfüllung seines Gesetzesauftrages auf wissenschaftlich fundierte Fakten und Erkenntnisse stützt. Das Bundesamt gibt deshalb bei namhaften Institutionen im In- und Ausland Studien in Auftrag, deren Resultate bei der Weiterentwicklung und Umsetzung einer aktuellen und zeitgemässen Migrations- und Integrationspolitik dienen.
Im Folgenden sind laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte, welche das BFM in Auftrag gegeben oder mitfinanziert hat, aufgelistet:
KEK-CDC Consultants, Zürich und B,S,S. Volkswirtschaftliche Beratung, Basel
Januar 2012 – Januar 2013
Die geplante Studie soll den drei folgenden, übergeordneten Fragestellungen nachgehen:
- Welche typischen Integrationsverläufe und Erwerbsbiographien lassen sich für FL und VA in den ersten 10 Jahren nach ihrer Anmeldung in der Schweiz eruieren und unterscheiden?
- Welche Faktoren der Makro- und der Mikroebene und ihrer Wechselwirkungen beeinflussen den Integrationserfolg der Zielgruppen?
- Wie können die Verbundpartner den Integrationserfolg im Sinne der gezielten Steuerung optimieren?
Schweizerisches Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien SFM
Dezember 2011 – Juni 2012
Die Schweiz ist in den letzten Jahren stärker zum Ziel von Einwanderern aus den drei Maghrebstaaten Marokko, Algerien und Tunesien geworden. Die maghrebinische Diaspora umfasst rund 17'800 Personen und stellt damit fast ¼ der afrikanischen Einwanderer in der Schweiz oder 1% der ausländischen Wohnbevölkerung dar. Über die soziale Zusammensetzung sowie den Stand der Integration der maghrebinischen Diaspora ist wenig bekannt. Die geplante Studie soll IGrundlagen zur Herkunftsregion, zur maghrebinischen Diaspora in der Schweiz, zur sozialen und wirtschaftlichen Integration und zum sozialen und kulturellen Leben liefern.
Prof. Jeanine Dahinden, Universität Neuenburg
März 2011 – Januar 2012
Die Untersuchung soll darlegen, wo und in welchem Umfang bereits Massnahmen gegen Zwangsheiraten bestehen, mit welchen gezielten weiterführenden Massnahmen im Bereich der Prävention und des Schutzes diese gestärkt und ausgebaut werden können. Gestützt darauf soll ein Programm mit gezielten Massnahmen umgesetzt werden, welche auf eine behutsame und effektive Weise betroffene Personen vor Ort unterstützen und schützen (Sensibilisierung, Anlaufstellen und Beratung, Schutz).
(Federführung Bundesamt für Gesundheit BAG)
Arbeitsgemeinschaft BASS, ZHAW, ISPM, M.I.S TREND
November 2009 – September 2011
Um die Datenlage zu verbessern und mittelfristig Veränderungstendenzen im Gesundheitszustand und -verhalten der Migrationsbevölkerung sowie bei deren Inanspruchnahme des Gesundheitswesens zu erkennen, ist 2010 das zweite Gesundheitsmonitoring (GMM ll) durchgeführt worden. Die Resultate zeigen: In der Schweiz sind deutliche Ungleichheiten zwischen der einheimischen Bevölkerung und Migrantinnen bzw. Migranten nachweisbar. Der körperliche und psychische Gesundheitszustand der Befragten ist in vielen Fällen schlechter als derjenige der Einheimischen. Bei der Inanspruchnahme von medizinischen Dienstleistungen konnten hingegen keine systematischen Unterschiede gefunden werden.
Prof. George Sheldon, Universität Basel
Dezember 2009 – Februar 2011
Das Personenfreizügigkeitsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union (EU) gilt als Herzstück der Bilateralen Verträge I. Mit Inkrafttreten des Protokolls II am 1. Juni 2009 haben Bürgerinnen und Bürger aus insgesamt 27 EU-Staaten plus drei EFTA-Staaten erleichterten Zugang zum Schweizer Arbeitsmarkt erhalten. Für die neuen EU-Mitgliedstaaten (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowakei, Slowenien, Tschechien, Ungarn, Rumänien und Bulgarien) wurden Übergangsfristen eingesetzt, d.h. es gelten weiterhin Zuwanderungsbeschränkungen, die jedoch schrittweise aufgehoben werden. Dank dem Abkommen profitieren Schweizer Unternehmen ihrerseits von den erweiterten Rekrutierungsmöglichkeiten im EU-Raum. Die Personenfreizügigkeit wird umso wichtiger, als das Angebot an inländischen Arbeitskräften mittelfristig aus demographischen Gründen tendenziell rückläufig ist. Mit Beginn der Wirtschaftskrise hat sich eine neue Kontroverse um die Zuwanderung aus der EU entwickelt. Meldungen über hohe Arbeitslosenquoten unter den Ausländerinnen und Ausländer – welche angeblich die Arbeitslosenkasse belasten – häufen sich.
Vor diesem Hintergrund befasst sich die Studie mit drei Hauptthemen:
- der Entwicklung der Zu- und Rückwanderungen von ausländischen Arbeitskräften aus den EU-17/EFTA-Ländern in der Schweiz,
- dem Ausmass der Arbeitsmarktintegration dieser Ausländer hierzulande und
- der Auswirkung der seit dem Inkrafttreten des Personenfreizügigkeitsabkommens (FZA) der Schweiz mit der EU im Juni 2002 erfolgten Zuwanderungen aus dem EU-17/EFTA-Raum auf die Löhne der inländischen Erwerbsbevölkerung (Schweizer und ansässige Ausländer).
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Prof. Tim McNamara, University of Melbourne
April 2009 – Februar 2011
Um der erhöhten Komplexität des Migrationsgeschehens Rechnung zu tragen (z.B. Sozialisation von Gesuchstellern in mehreren Ländern), sollen die Minimalkriterien, nach denen die Qualität von LINGUA-Analysen gemessen wird, aktualisiert und ausgeweitet werden.
Schweizerisches Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien, Neuenburg
Februar – Dezember 2009
Die Rechtsentwicklung, Rechtsanwendung, Forschung und Statistik ist in Europa stark nationalstaatlich geprägt. Die Daten sind teils schwer zugänglichen und verstreut. Deshalb ist ein Vergleich der nationalen Systeme nur mit einem sehr hohen Aufwand möglich.
EUCITAC soll eine Informations- und Forschungsplattform werden, die die rechtlichen und politischen Aspekte im Bereich Bürgerrecht in den 27 EU-Mitgliedsstaaten und den Nachbarstaaten einfach zugänglich und vergleichbar macht. Das BFM unterstützt dieses Projekt im Rahmen seines Forschungskredits.
International Centre for Migration Policy Development ICMPD
August – November 2009
Während die Schweiz in den letzten Jahren mit hohen Asylgesuchszahlen konfrontiert war, schafften es Dänemark und Grossbritannien, die Gesuchszahlen seit 2001 respektive 2002 deutlich zu senken. In Grossbritannien betrug die Gesuchszahl im 2008 nur noch etwas mehr als ein Fünftel der Menge von 2002, in Dänemark gar nur noch einen Siebtel.
Die augenfällige Abnahme der Asylgesuchzahlen in Dänemark und Grossbritannien lässt vermuten, dass diese beiden Staaten ihre Asylpolitik und Praxis zwischen 2000 und 2008 verändert haben. Für das BFM von Interesse ist, welche konkreten Asylpraxisänderungen vorgenommen wurden und wie sich diese auf die Zahlen ausgewirkt haben.
Die Veränderungen der Asylpraxen und ihre Auswirkungen auf die Attraktivität des Ziellandes soll an den drei Asylbewerbergruppen aus Eritrea, Irak und Somalia veranschaulicht werden.
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Hochschule für Soziale Arbeit, Luzern
Mai 2008 – November 2009
Im Rahmen des Integrationsförderungsprogrammes des Bundes hat die Forschungsstelle der HSA Luzern von Januar 2005 bis Juni 2006 eine Studie mit dem Titel "Soziale Vernetzung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund" in Emmen durchgeführt. Die zweite Befragung von Jugendlichen mit Migrationshintergrund hat nun zum Ziel, wichtige Schritte der Jugendlichen im Übergang ins Erwachsenenalter im "Längsschnitt" zu beobachten und zu untersuchen: dazu gehören Prozesse der beruflichen Positionierung (Suche nach einem Ausbildungsplatz, Inanspruchnahme von Brückenangeboten) ebenso wie Veränderungen des sozialen Umfeldes. Im Anschluss an die Studie sollen in Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus der Praxis Empfehlungen zuhanden der Jugend- und Integrationspolitik ausgearbeitet werden.
Swiss Academy for Development, Biel
Oktober 2008 – September 2009
Die türkische Diaspora in der Schweiz umfasste Ende 2007 72'633 Personen oder rund 4.6% der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung. Rund 2'000 Personen aus der Türkei befinden sich im Asylprozess.
Studien in Zürich zeigen grössere Integrationsdefizite in der Sprache, vor allem bei Frauen. Zudem gibt es Indikatoren, welche auf einen geringen Grad der kulturellen Integration hinweisen. Die Partizipation an Schule und Elternbildung ist eher unterdurchschnittlich.
Ziel ist eine klare, übersichtliche Dokumentation (Atlas). So soll die Studie Fachleuten, die in ihrer Arbeit mit Türken und Kurden zu tun haben, Informationen über Migrationshintergründe und die Lebenssituation in der Schweiz liefern. Daneben wird das gesammelte Hintergrundwissen aber auch für externe Stellen, z.B. Lehrpersonen, zur Verfügung stehen.
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- Bestellen (BBL Art. Nr. 420.043.D)
Hochschule für Soziale Arbeit, Luzern
August 2008 – Juli 2009
Basierend auf der Pilotstudie zur srilankischen Diaspora in der Schweiz, werden Projekte zu weiteren grossen Exilgemeinschaften in der Schweiz durchgeführt. So etwa zur kosovarischen, portugiesischen und türkischen bzw. kurdischen Diaspora.
Zugewanderte aus dem Kosovo sind in den letzten Jahren zu einer grossen Minderheit in der Schweiz geworden. Aufgrund der in Wellen erfolgten Einwanderung, ergeben sich unterschiedliche Integrationsverläufe und Problemfelder. Trotz der langen Migrationstradition ist nur wenig Wissen über die Kosovaren und Kosovarinnen in der Schweiz vorhanden.
Die Studie soll Fachleuten, die in ihrer Arbeit mit Kosovaren zu tun haben, Informationen über Migrationshintergründe und die Lebenssituation in der Schweiz liefern, dies inbesondere in Bereichen, wo im Umgang mit dieser Zuwanderungsgruppe Überforderungen bekundet werden.
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- Bestellen (BBL Art. Nr. 420.041.D)
Schweizerisches Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien, Neuenburg
Januar 2008 – Juni 2009
Basierend auf der Pilotstudie zur srilankischen Diaspora in der Schweiz werden Projekte zu weiteren grossen Diasporagruppen in der Schweiz durchgeführt, so zur kosovarischen, portugiesischen und türkischen bzw. kurdischen.
Über die wichtige Bevölkerungsgruppe der Portugiesen ist nur wenig Wissen vorhanden, doch punktuelle Studien deuten darauf hin, dass Personen aus Portugal relativ grosse Integrationsdefizite aufweisen (Arbeitslosigkeit, Sprache, etc.). Verschiedene Aspekte sollen nun genauer untersucht werden. Ziel ist eine klare, übersichtliche Dokumentation (Atlas). So soll die Studie Fachleuten, die in ihrer Arbeit mit Portugiesinnen und Portugiesen zu tun haben, Informationen über Migrationshintergründe und die Lebenssituation in der Schweiz liefern. Daneben das gesammelte Hintergrundwissen aber auch für externe Stellen, z.B. Lehrpersonen, zur Verfügung stehen.
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- Bestellen (BBL Art. Nr. 420.042.D)
Hamburgisches WeltWirtschaftsInstitut
Januar – Mai 2009
In dieser Studie wird zum einen untersucht, wie sich Zahl und Struktur der Einbürgerungen in der Schweiz in den letzten 20 Jahren entwickelt haben. Sodann interessiert, wie erfolgreich eingebürgerte Personen im Vergleich zu Ausländern und Schweizern im Schweizer Arbeitsmarkt integriert sind. Falls sich – wie in vergleichbaren Studien in anderen westlichen Ländern – herausstellt, dass die Gruppe der Eingebürgerten bezüglich Bildungsstand und beruflicher Integration deutliche Unterschiede zu den anderen Gruppen aufweist, möchten die Forscher herausfinden, wie diese Unterschiede zu erklären sind.
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Schweizerisches Forum für Migrations- und Bevölkerungsstudien, Neuenburg
Januar – Juni 2009
In letzter Zeit stieg das Interesse am Verhalten und der sozialen Lage von Menschen mit Migrationshintergrund, die neu in der Schweiz eingebürgert wurden. Das fand u.a. Ausdruck in parlamentarischen Vorstössen, die wissen wollen, ob sich eingebürgerte Personen im Vergleich zu Ausländern oder Schweizern abweichend verhalten. Im Hintergrund steht die noch nicht überprüfte Hypothese, dass etliche Personen nach erfolgter Einbürgerung häufiger Straftaten begehen, weil ihnen keine Ausschaffung mehr droht.
Die Sektion Einbürgerung des BFM möchte nun folgende Fragen gerne beantwortet haben:
- Unterscheidet sich das Verhalten eingebürgerter Personen von jenem von Schweizern oder nicht eingebürgerten Ausländern, d.h. werden sie häufiger straffällig?
- Besteht ein Zusammenhang zwischen Einbürgerung und Delinquenz, und wenn ja, welcher?
Bevor eine Studie diese Fragen untersucht – so hat sich gezeigt – ist eine gründliche Vorabklärung nötig, da hinsichtlich der Datenerhebung diverse Unklarheiten bestehen.
Universität Luzern
Oktober 2008 – September 2010
Der Begriff "Migrationspartnerschaften" steht für Win-Win-Lösungen im politischen Management von Migrationsströmen. Migrationspartnerschaften verbinden Sachthemen aus dem Bereich Migration mit anderen Politikbereichen wie Entwicklung, Handel, Finanzen oder Sicherheit. Deshalb erfordern sie einen besonders hohen Grad an Koordination zwischen allen Beteiligten. Die Studie untersucht an vier Beispielen auf binationaler, regionaler und internationaler Ebene die Faktoren, die solchen Partnerschaften Gestalt geben.
Als Ergebnis dieser Studie wird definiert werden, unter welchen Bedingungen Migrationspartnerschaften als neue Instrumente internationaler Migrationspolitik realisiert werden können.
International Centre for Migration Policy Development
November 2008 – März 2009
Asylgesuchstellungen an den Schweizer Flughäfen stellen einen Sonderfall im Asylverfahren dar, da die Asylsuchenden für die Dauer des ganzen erst- und zweitinstanzlichen Verfahrens im Transitbereich des Flughafens bleiben und somit nicht ins Zielland einreisen. Darin unterscheidet sich das Flughafenverfahren vom Inlandverfahren. Mit dieser Studie, die die gesetzlichen und praktischen Rahmenbedingungen an sieben ausgewählten europäischen Flughäfen untersucht und vergleicht, sollen die bisher nur sehr lückenhaften Kenntnisse über die Flughafenverfahren in anderen europäischen Ländern erweitert werden.
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Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer der psychiatrischen Poliklinik des Unispitals Zürich
April 2008 – März 2009
Aktuell gibt es für die Schweiz wenig verlässlichen Angaben über die psychische Gesundheit und die Inanspruchnahme von medizinischen Leistungen bei Asylsuchenden. Es wird aber aufgrund verschiedener Indizien angenommen, dass Asylsuchende in überdurchschnittlichem Ausmass an Gesundheitsproblemen, insbesondere an psychischen Störungen leiden. Unklar ist jedoch, ob Faktoren (wie z.B. Traumata) vor der Migration Hauptursachen dieser Probleme sind oder ob eher die Lebensbedingungen im Aufnahmeland und das Fehlen des gewohnten sozialen Umfelds zu diesen Störungen führen. Die Pilotstudie soll klären, ob eine grösser angelegte, prospektive Studie durchführbar ist.
Universität Luzern
April 2008 – März 2009
Das Projekt erhebt und dokumentiert auf dem Gebiet der ganzen Schweiz jene Gebäude, die als Sakralbauten erkennbar und erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg aufgrund grenzüberschreitender Migration entstanden sind. Ziel ist die Erstellung einer Internetseite mit Fotos sowie Informationen zur Baugeschichte und Nutzung der Sakralbauten.
Institut de Hautes Études Internationales et du Développement (IHEID) Genève
Januar 2008 – Januar 2009
Das Jahrbuch des IHEID hat die Verbindung zwischen Entwicklungshilfe und Migration zum Thema. Dabei sollen grundlegenden Konzepte, neue Theorien und Trends rund um Migration und Entwicklungshilfe präsentiert sowie die Hauptakteure in der Schweiz wie auch im Ausland und ihr Betätigungsfeld vorgestellt werden.
