Migrationsfolgen

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Gut ausgebildete und initiative Menschen entschliessen sich leichter zur Migration. Die Abwanderung von Fachleuten schwächt ihre Heimatstaaten. Andererseits lindern Geldüberweisungen der Auswanderer die Armut zuhause. Ein starker Zustrom von Asylsuchenden stellt die westlichen Zielstaaten vor grosse und vielfältige Probleme.

Abwanderung schwächt die Ursprungsstaaten
In der Regel verschärft die Abwanderung oder Vertreibung von Menschen die wirtschaftlichen und politischen Probleme in den Ursprungsstaaten. Junge Männer mit guter Ausbildung sind unter den Migrierenden überdurchschnittlich stark vertreten. Sie trauen sich eher zu, anderswo erfolgreich Fuss zu fassen.
Die Weltbank schätzt, dass rund 100’000 ganz oder teilweise in Afrika ausgebildete AkademikerInnen in westlichen Industriestaaten leben und arbeiten. Die Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte aus Asien dürfte noch um ein Vielfaches grösser sein. Auch die Staaten des früheren Ostblocks sind in hohem Masse vom sogenannten 'brain drain' betroffen: Bulgarien hat in den letzten 10 Jahren etwa 20 Prozent seiner gebildeten Bevölkerung durch Abwanderung verloren. In Armenien haben im gleichen Zeitraum sogar 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung das Land verlassen.

Erfolgreiche Auswanderungswillige ermutigen andere ihnen zu folgen
In den Herkunftsstaaten entstehen durch die Abwanderung empfindliche Lücken. Durch den Verlust gebildeter und erfahrener Fachleute schwinden die Chancen dieser Nationen, aus eigener Kraft tragfähige Wirtschaftsstrukturen aufzubauen.
Menschen, die in eine Welt mit besserer Infrastruktur und höherem Lebensstandard übersiedeln, gewöhnen sich schnell an die neuen Verhältnisse. Nur wenige sind bereit, später wieder die dürftigeren Verhältnisse ihres Herkunftslandes in Kauf zu nehmen. Das Beispiel erfolgreicher Auswanderer ermutigt andere, es ihnen nachzutun. Durch Vermittlung von Kontakten entsteht ein Netzwerk, das einen immer grösseren Personenkreis erfasst.

Migrierende helfen kurzfristig die Armut in ihrer Heimat zu lindern
Migrantinnen und Migranten überweisen häufig erhebliche Teile ihres Einkommens nach Hause. Laut Schätzungen der UNO sind es jährlich über 20 Milliarden Dollar. Dies entspricht etwa einem Drittel der Mittel, welche die Industriestaaten für die globale Entwicklungszusammenarbeit aufwenden.
Mit ihrem Geld helfen Auswanderer kurzfristig die Armut in ihren Herkunftsländern zu lindern. Die privaten Zuwendungen verbessern zwar die Kaufkraft der Empfängerfamilien, haben aber in der Regel kaum Einfluss auf den Aufbau von Strukturen, die nachhaltige Veränderungen ermöglichen.

Vertreibung von Oppositionellen beinträchtigt die gesellschaftliche Entwicklung
Fluchtbewegungen, die durch Unterdrückung oder Krieg ausgelöst werden, wirken sich vor allem auf der politischen und gesellschaftlichen Ebene aus. Opposition lässt sich im Keim ersticken, wenn ihre Wortführer durch willkürliche Verhaftungen, Folter oder die Bedrohung von Familienmitgliedern zur Flucht gezwungen werden. In Staaten, in denen diktatorische Verhältnisse herrschen und korrupte Strukturen die Bevölkerung terrorisieren, hat in der Regel nur ein kleiner Personenkreis Zugang zum Land und profitablen Wirtschaftsbereichen. Während der Reichtum Weniger extrem zunimmt, verarmt die breite Bevölkerung zusehends. Die Profiteure solcher Politverhältnisse verschieben meist erhebliche Teile ihres Vermögens ins Ausland, um sich gegen unangenehme Folgen politischer Veränderungen abzusichern.

Arme Nachbarstaaten sind am stärksten beeinträchtigt
Die meisten Migrierenden und Flüchtlinge verfügen nicht über die finanziellen Mittel, um grössere Distanzen zu überwinden. Sie suchen in einer anderen Region des eigenen Landes oder in einem Nachbarstaat Zuflucht. Deshalb sind die wirtschaftlich schwächsten Staaten am stärksten mit Migrations- und Flüchtlingsproblemen konfrontiert.