Bundesamt für Polizei

Die Organisierte Kriminalität benutzt das Rotlichtmilieu

Das BAP veröffentlicht den jährlichen Lagebericht

Medienmitteilungen, fedpol, 14.09.2000

Der diesjährige Lagebericht des Bundesamtes für Polizei (BAP) befasst sich neben der Organisierten Kriminalität aus den GUS-Staaten insbesondere auch mit der Rotlichtkriminalität und innerhalb der Betäubungsmittel mit dem Thema Ecstasy. Aufgrund der im Berichtsjahr gewonnenen Erkenntnisse bestätigt das BAP die im letzten Bericht gemachte Feststellung, dass die Aktivitäten der organisierten Kriminalität aus den GUS-Staaten sowohl für den schweizerischen Rechtsstaat als auch für den Wirtschafts- und Finanzplatz Schweiz eine Bedrohung darstellen.

Zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität setzt das BAP auf die vom Parlament verabschiedete Effizienzvorlage, die nicht nur die Kompetenzen bezüglich der Bekämpfung der OK beim Bund zentralisiert, sondern auch voraussichtlich zu einer beachtlichen Aufstockung der Strafverfolgungsorgane des Bundes führen wird, damit diese Aufgaben kapazitätsmässig bewältigt werden können.

Der Bericht über die Rotlichtkriminalität zeigt auf, dass die Prostitution in der Schweiz zahlenmässig nach wie vor zunimmt. Umfrageergebnisse zeigen, dass sich allein in den Kantonen Zürich, Bern, Basel, Genf, Luzern und Tessin mehr als 7000 Frauen prostituieren dürften, wobei der Kanton Basel-Stadt die grösste Konzentration im Verhältnis zur männlichen Wohnbevölkerung aufweist.

Verlagerung in die Illegalität führt zu Verdrängungskampf

Der Bericht verweist auf eine Abnahme der legal arbeitenden Dirnen und damit auf eine Verlagerung in die Illegalität. So werden vermehrt auch Touristenvisa missbraucht. Diese Verlagerung führt zu einem räumlichen und wirtschaftlichen Verdrängungskampf, der sich vor allem für die – meist legal arbeitenden - drogensüchtigen Prostituierten nachteilig auswirkt. Ihnen stehen kaum alternative Erwerbsmöglichkeiten offen, weshalb sie ihre Dienste bereits ab CHF 20 anbieten.

Das Entwicklung im Rotlichtmilieu spiegelt aber auch allgemeine gesellschaftliche Entwicklungen wieder:

So stellt der Bericht beispielsweise fest, dass sich aufgrund des wirtschaftlichen Aufschwungs eine breitere Kundschaft Dienstleistungen in einem gehobenen Preissegment leisten kann (Begleitservices, Clubs).

Aber auch die ständig wachsende Mobilität des Menschen findet im Rotlichtmilieu ihren Niederschlag, indem sich auch die Prostituierten den sich wandelnden Verhältnissen anpassen.

So kommt es vor Eröffnung der Alpentransitbaustelle im Tre Valli zu zahlreichen Umnutzungen von Liegenschaften in Bordelle und auch die Region Biel-Seeland verzeichnet im Hinblick auf die Expo 02 eine ähnliche Entwicklung.

Zudem befinden sich die meisten Etablissements in der Nähe von Hauptverkehrsachsen, was der Mobilität und dem Bedürfnis nach Anonymität der Freier Rechnung trägt.

Organisierte Kriminalität benutzt Prostitution

Der Lagebericht beleuchtet auch die Straftaten im Umfeld der weiblichen Prostitution und weist darauf hin, dass die Schweiz im Gegensatz zu anderen Staaten bis anhin keine speziellen Zeugenschutzprogramme für Opfer von Straftaten im Umfeld der Prostitution kennt, die aussagen wollen. Dies erschwert die Aufklärung dieser Straftaten.

Laut Bericht bestehen Anzeichen dafür, dass kriminelle, ausländische Organisationen das Umfeld der weiblichen Prostitution benutzen, um ihre Aktivitäten in den Bereichen Drogen-, Waffen- und Menschenhandel in der Schweiz auszubauen. Insbesondere die Cabarets bieten solchen Gruppierungen die Möglichkeit, sich in der Schweiz legal festzusetzen. So sind Fälle bekannt geworden, in denen Tänzerinnen aus Russland in schweizerische Cabarets entsandt worden sind. Sie erhielten den Auftrag, sich zunächst durch Heirat mit einem Schweizer eine Aufenthaltsbewilligung sowie ein eigenes Domizil zu beschaffen, um anschliessend Angehörigen russischer Verbrechenssyndikate die Einreise in die Schweiz zu ermöglichen.

Ecstasy-Dealer sind relativ jung und Schweizer Bürger

Der Lagebericht des BAP befasst sich ausführlich mit der Ecstasy-Problematik in der Schweiz. Dabei wurden die Erkenntnisse des Bundes mit Umfragen in den Kantonen und mit Experten-Gesprächen ergänzt, um ein umfassendes Bild zu erhalten.

Der Ecstasy-Handel unterscheidet sich grundsätzlich vom Handel mit harten Drogen wie Heroin oder Kokain. Erstens sind die Ecstasy-Dealer jünger; mehr als 50% der letztes Jahr verhafteten Händler waren 19-24 Jahre alt und zweitens ist die grosse Mehrheit (1999: 70%) Schweizer. Der Handel wickelt sich in nächtlichen Treffpunkten, insbesondere in Diskotheken ab.

Der Bericht zeigt auf, dass der Handel mit synthetischen Drogen attraktiv und lukrativ ist. Die Chemikalien sind überall auf der Welt verfügbar, es sind keine langen Transportwege nötig, der Stoff wird oft in Heimlabors von Amateuren gefertigt, die Herstellungskosten sind tief und es gibt weniger Zwischenhändler.

Verdacht von Gehirnverletzungen

Personen, die Ecstasy konsumieren, sind oft auch Cannabis Konsumenten, während bei den Händlern Ecstasy oft zusammen mit Kokain beschlagnahmt wird. Der Bericht hält fest, dass die Konsumenten im allgemeinen sozial integrierte Leute sind, die einer regelmässigen Arbeit nachgehen. Nach wie vor wird Ecstasy in grösserem Stil an Rave-Parties konsumiert. Vor allem an kleinen Parties, die an oft wechselnden, und mehr oder weniger abgeschiedenen Orten stattfinden, ist der prozentuale Anteil sehr hoch: Der Bericht schätzt, dass 80-90% dieser regelmässigen Party-Gänger Ecstasy konsumieren.

Oft ist Ecstasy auch mit dem Konsum von weiteren Stoffen verbunden, beispielsweise um nach einer starken Dosis einschlafen zu können.

Schliesslich folgert der Bericht, dass im Gegensatz zur liberalen schweizerischen Gerichtspraxis die meisten europäischen Staaten die Strafen für den Ecstasy Handel verschärfen. In gewissen Ländern wie zum Beispiel den Niederlanden wird Ecstasy den harten Drogen zugeordnet, weil medizinische Untersuchungen den Verdacht nahe legen, dass Ecstasy für schwere Gehirnverletzungen verantwortlich sein könnte.

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