Bundesamt für Justiz

Teilnahme an Schenk-Kreisen ist strafbar und finanziell äusserst riskant

BJ warnt vor verbotenem Schneeballsystem

Medienmitteilungen, BJ, 10.09.2002

Bern, 10.9.2002. Das Bundesamt für Justiz (BJ) warnt davor, sich durch Versprechen wie Erhaltung von Lebenskraft, Liebe, Heilung, Erfüllung oder Reichtum irreleiten zu lassen und einem sich vorab in verschiedenen Deutschschweizer Kantonen verbreitenden verbotenen Schenk-Kreis beizutreten. Wer an einem Schenk-Kreis teilnimmt, riskiert den Verlust seiner gesamten Einlagen und macht sich strafbar. Denn bei solchen Schenk-Kreisen handelt es sich um ein gemäss Lotteriegesetz verbotenes Schneeballsystem. Wer sich an einem Schenk-Kreis beteiligt, kann mit Busse bis zu 10'000.- Franken oder mit Gefängnis bestraft werden und muss mit der Konfiskation des Gewinns rechnen.

"Wir laden dich in diesen Kreis ein, gemeinsam mit anderen Frauen / Männern die Kraft von gegenseitigem Unterstützen, Geben und Empfangen zu erfahren." Auf diese oder ähnliche Weise werden in erster Linie Frauen, z.T. aber auch Männer angelockt, in Schenk-Kreisen "einen kraftvollen Weg zu finden, um spirituelle, psychische und physische Energien freizusetzen". Doch beim Schenk-Kreis geht es weniger ums Wohlergehen der Teilnehmenden als vielmehr ums blosse Geldverdienen der Initiantinnen und Initianten.

Vom äussersten Kreis in die Kreismitte

Wie funktioniert ein Schenk-Kreis? Die Initiantin eines Frauen-Schenk-Kreises sucht acht Kolleginnen, die bereit sind, ihr einen festgelegten Betrag zu "schenken". Dieser variiert je nach Kreis offenbar zwischen 100 und 8000 Franken. Der Schenk-Kreis ist in vier Hierarchiestufen aufgeteilt. Wenn alle acht Frauen im äussersten Kreis die Frau in der Mitte (die Initiantin) beschenkt haben, verlässt diese den Kreis mit ihrem "Geschenk", das bis zu 64 000 Franken betragen kann. Der Kreis teilt sich in zwei neue Kreise. Die Spenderinnen rücken nun eine Stufe innerhalb des Kreises nach und es bildet sich je ein neuer Kreiskern. Die je acht freigewordenen Stellen im äussersten Kreis müssen wiederum besetzt werden und die Suche nach neuen gutgläubigen Spenderinnen beginnt von vorn.

Viele Frauen und Männer, insbesondere aus der Esoterikszene, lassen sich von solchen Angeboten mit Gewinnaussicht blenden. Systembedingt verbreiten sich jedoch die Schenk-Kreise sehr schnell, und mit zunehmender Anzahl von Teilnehmenden wird es immer schwieriger, neue Leute anzuwerben. Wer zuletzt hinzukommt, erleidet einen Totalverlust; die Teilnehmenden müssen mit einer Strafe und mit der Konfiskation der Einnahmen rechnen.

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